Pilgern nach Caacupé, Geburtstag im
Sommer, drei gescheiterte Versuche einen Blogeintrag fertig zu
bringen – es ist viel passiert im Dezember. Beim Plätzchen backen
schwitzen und festellen, dass das Wichtigste hier, das Aufessen und
nicht das Ausstechen ist, mit FlipFlops an bunten Weihnachtsbäumen
aus Plastik entlanglaufen und mit Verwunderung bemerken, dass ja
schon der 1. Advent ist. Alles in einem – et läuft!
Und nun macht Euch gefasst auf meinen
Tag als Pilgerin!
Der 8. Dezember ist in Paraguay ein
großer Feiertag. An diesem Tag findet in Caacupé, eine kleine Stadt
in der Provinz Cordillera, das Fest der Madonna de los Milagros
statt.
Millionen von Menschen pilgern dorthin
um bei diesem Fest dabei zu sein. Also auch wir! Mit Freunden aus dem
Orfa (so nennen wir alle unser Studentenwohnheim) haben wir uns
Montag Nacht auf den Weg gemacht. Vom Terminal aus haben wir erstmals
einen Bus genommen, der uns zur Pilgerroute bringen sollte. Am
Terminal waren schon solche Menschenmassen, dass wir ewig anstanden.
Da mehr Menschen als erwartet auf dem Weg nach Caacupé waren, ist
der Bus eine Umleitung gefahren. So, dass wir nicht auf der
offiziellen Pilgerroute ausgelassen wurden, sondern irgendwo im
Nirgendwo. Unser eigentlicher Plan war es, mit weiteren Freunden zu
laufen. Hat nicht so ganz geklappt...
Wir hatten weder eine Ahnung wo wir
waren, noch waren die besagten Millionen von Menschen auf der Straße.
Im Endeffekt bin ich jedoch ziemlich froh darüber. Wir konnten in
alle Ruhe, tranquilo no mas, den Sternenhimmel mit abertausenden von
Lichtern beobachten und mit offenen Mündern, staunend vor einem Meer
aus Palmen stehen. Ich neige zur Romantisierung, aber es war wirklich
wunderbar.
Die ganze Nacht sind wir gewandert ohne
wirklich eine Pause zu machen. Die Terreréthermos wurden immer
leichter und die Beine immer schwerer. Zwischen durch haben wir
andere Pilger getroffen und waren beruhigt, dass wir noch auf dem
richtigen Weg waren. Je näher wir Caacupé kamen, desto mehr
Menschen, Autos, Busse und Essensstände wurden es. Man konnte
beobachten wie die Bewohner alle schnell improvisierten, ihren Mate
und Cocido rausholten, Chipas warm machten und den Grill anschmissen,
um es an die Pilgerer zu verkaufen. Es kamen nämlich nicht nur wir
aus einer anderen Richtung nach Caacupé.
Morgens um 6 Uhr kamen wir endlich in
der Stadt an, auf den Straßen schliefen überall Menschen, während
Menschenmassen an ihnen vorbei strömten, alle Richtung Kirche. Auf
einer kleinen Wiese machten wir zum ersten Mal eine Pause und
beobachteten aus sicherer Entfernung den Trubel. Es war unmöglich
sich die Kirche von innen anzuschauen, geschweige denn, einen
Gottesdienst mit zu bekommen. Danach war uns nach dem ganzen
Gewandere aber auch nicht mehr zu Mute.
Als wir uns irgendwann auf den Rückweg
machten, hatten wir uns das mit dem „Wir nehmen halt einfach einen
Collectivo zurück“ einfacher vorgestellt. Ihr müsst euch eine
riesig lange Straße vorstellen auf der Tausende von Menschen in eine
Richtung strömen. An den Straßenseiten sitzen oder liegen Wanderer,
die nicht mehr laufen können und auf der anderen Seite fahren
überfüllte Busse an dir vorbei. Alle haben versucht den Bussen
entgegen zu laufen, um noch in einen hinein zu passen. Wir also
hinter her. Dagegen sind volle Rheinbahnen morgens um 7 Uhr nichts.
Die Leute hingen aus den Bussen heraus und wiederum andere waren,
mit dem Gesicht an die Scheibe gequetscht.
Es war auf jeden Fall ein kleines
Abenteuer mit Mückenstichen, Sonnenbrand und Blasen an den Füßen.
Ich hatte wirklich das Gefühl, dass sich ganz Paraguay auf den Weg
nach Caacupé gemacht hatte.
Das Wandern hat mir auch schon ein
wenig Vorfreude auf das Reisen gemacht, denn bald geht es ja los!
Übrigens schreibe ich gerade, während
draußen wie jeden Abend, ein super lautes Krötenkonzert statt
findet. Das witzige ist, dass sich die kleinen Kröten wie Mario von
Mario Kart anhören und „Huuuui“ kreischen. - das kurz nebenbei
Im Projekt läuft es auch immer besser.
Dadurch, dass Doro und ich uns nun jeweils auf ein Projekt festgelegt
haben, habe ich mich jetzt schon richtig auf „meinem“ Mercado
eingelebt. Wenn ich morgens im Bus sitze Richtung Projekt, steigen ab
und zu Kinder zu, um ihr Früchte zu verkaufen. Die anderen Leute
gucken ganz schön blöd, wenn wir uns dann immer mit eigenst
kreeirten Handschlägen begrüßen. Mit Gladys, einer Mitarbeiterin
und Julio, dem Projektleiter besuchen wir regelmäßig Familien, die
auf dem Abasto wohnen. Oft sind es nur ganz kleine Blechhütten mit
Matratzen und einer kleinen Küche drin.
Da die großen Sommerferien für die
Kinder hier begonnen haben, sind jeden Tag super viele Kinder im
Projekt. Beim Essen, sind es meist bis zu 100 Kinder. Jedoch gibt es
im Projekt seit geraumer Zeit finanzielle Probleme. Es gibt Tage, an
denen das Essen nicht ein mal für die Hälfte der Kinder reicht.
Kein schönes Gefühl, der Reihe nach gefühlten 50 Kindern zu
vermitteln, dass das Essen schon wieder nicht ausgereicht hat.
Jetzt ist bald Weihnachten und ich
mache mich bald auf, mit Rucksack und Zelt auf Reisen.
Da habe ich mich die ganze Zeit auf das
Reisen gefreut und jetzt fällt es mir ein wenig schwer dem Projekt
und Asunción für ein paar Wochen Tschüss sagen zu müssen. :)![]() | |
| Im Park Nu Guazu |
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| Gewitter in Asunción |
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| Im Park Nu Guazu |
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| Im Projekt |
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| Geburtstagsfrüchtetorte á la Elisa! |
| Wandern nach Caacupé |
| Auf dem Weg nach Caacupé |
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| Endlich angekommen in Caacupé |
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| Caacupé |







