Samstag, 19. Dezember 2015

Schmerzende Füße und Plastiktannenbäume

Pilgern nach Caacupé, Geburtstag im Sommer, drei gescheiterte Versuche einen Blogeintrag fertig zu bringen – es ist viel passiert im Dezember. Beim Plätzchen backen schwitzen und festellen, dass das Wichtigste hier, das Aufessen und nicht das Ausstechen ist, mit FlipFlops an bunten Weihnachtsbäumen aus Plastik entlanglaufen und mit Verwunderung bemerken, dass ja schon der 1. Advent ist. Alles in einem – et läuft!

Und nun macht Euch gefasst auf meinen Tag als Pilgerin!

Der 8. Dezember ist in Paraguay ein großer Feiertag. An diesem Tag findet in Caacupé, eine kleine Stadt in der Provinz Cordillera, das Fest der Madonna de los Milagros statt.
Millionen von Menschen pilgern dorthin um bei diesem Fest dabei zu sein. Also auch wir! Mit Freunden aus dem Orfa (so nennen wir alle unser Studentenwohnheim) haben wir uns Montag Nacht auf den Weg gemacht. Vom Terminal aus haben wir erstmals einen Bus genommen, der uns zur Pilgerroute bringen sollte. Am Terminal waren schon solche Menschenmassen, dass wir ewig anstanden. Da mehr Menschen als erwartet auf dem Weg nach Caacupé waren, ist der Bus eine Umleitung gefahren. So, dass wir nicht auf der offiziellen Pilgerroute ausgelassen wurden, sondern irgendwo im Nirgendwo. Unser eigentlicher Plan war es, mit weiteren Freunden zu laufen. Hat nicht so ganz geklappt...
Wir hatten weder eine Ahnung wo wir waren, noch waren die besagten Millionen von Menschen auf der Straße. Im Endeffekt bin ich jedoch ziemlich froh darüber. Wir konnten in alle Ruhe, tranquilo no mas, den Sternenhimmel mit abertausenden von Lichtern beobachten und mit offenen Mündern, staunend vor einem Meer aus Palmen stehen. Ich neige zur Romantisierung, aber es war wirklich wunderbar.

Die ganze Nacht sind wir gewandert ohne wirklich eine Pause zu machen. Die Terreréthermos wurden immer leichter und die Beine immer schwerer. Zwischen durch haben wir andere Pilger getroffen und waren beruhigt, dass wir noch auf dem richtigen Weg waren. Je näher wir Caacupé kamen, desto mehr Menschen, Autos, Busse und Essensstände wurden es. Man konnte beobachten wie die Bewohner alle schnell improvisierten, ihren Mate und Cocido rausholten, Chipas warm machten und den Grill anschmissen, um es an die Pilgerer zu verkaufen. Es kamen nämlich nicht nur wir aus einer anderen Richtung nach Caacupé.
Morgens um 6 Uhr kamen wir endlich in der Stadt an, auf den Straßen schliefen überall Menschen, während Menschenmassen an ihnen vorbei strömten, alle Richtung Kirche. Auf einer kleinen Wiese machten wir zum ersten Mal eine Pause und beobachteten aus sicherer Entfernung den Trubel. Es war unmöglich sich die Kirche von innen anzuschauen, geschweige denn, einen Gottesdienst mit zu bekommen. Danach war uns nach dem ganzen Gewandere aber auch nicht mehr zu Mute.

Als wir uns irgendwann auf den Rückweg machten, hatten wir uns das mit dem „Wir nehmen halt einfach einen Collectivo zurück“ einfacher vorgestellt. Ihr müsst euch eine riesig lange Straße vorstellen auf der Tausende von Menschen in eine Richtung strömen. An den Straßenseiten sitzen oder liegen Wanderer, die nicht mehr laufen können und auf der anderen Seite fahren überfüllte Busse an dir vorbei. Alle haben versucht den Bussen entgegen zu laufen, um noch in einen hinein zu passen. Wir also hinter her. Dagegen sind volle Rheinbahnen morgens um 7 Uhr nichts. Die Leute hingen aus den Bussen heraus und wiederum andere waren, mit dem Gesicht an die Scheibe gequetscht.
Es war auf jeden Fall ein kleines Abenteuer mit Mückenstichen, Sonnenbrand und Blasen an den Füßen. Ich hatte wirklich das Gefühl, dass sich ganz Paraguay auf den Weg nach Caacupé gemacht hatte.
Das Wandern hat mir auch schon ein wenig Vorfreude auf das Reisen gemacht, denn bald geht es ja los!

Übrigens schreibe ich gerade, während draußen wie jeden Abend, ein super lautes Krötenkonzert statt findet. Das witzige ist, dass sich die kleinen Kröten wie Mario von Mario Kart anhören und „Huuuui“ kreischen. - das kurz nebenbei

Im Projekt läuft es auch immer besser. Dadurch, dass Doro und ich uns nun jeweils auf ein Projekt festgelegt haben, habe ich mich jetzt schon richtig auf „meinem“ Mercado eingelebt. Wenn ich morgens im Bus sitze Richtung Projekt, steigen ab und zu Kinder zu, um ihr Früchte zu verkaufen. Die anderen Leute gucken ganz schön blöd, wenn wir uns dann immer mit eigenst kreeirten Handschlägen begrüßen. Mit Gladys, einer Mitarbeiterin und Julio, dem Projektleiter besuchen wir regelmäßig Familien, die auf dem Abasto wohnen. Oft sind es nur ganz kleine Blechhütten mit Matratzen und einer kleinen Küche drin.
Da die großen Sommerferien für die Kinder hier begonnen haben, sind jeden Tag super viele Kinder im Projekt. Beim Essen, sind es meist bis zu 100 Kinder. Jedoch gibt es im Projekt seit geraumer Zeit finanzielle Probleme. Es gibt Tage, an denen das Essen nicht ein mal für die Hälfte der Kinder reicht. Kein schönes Gefühl, der Reihe nach gefühlten 50 Kindern zu vermitteln, dass das Essen schon wieder nicht ausgereicht hat.

Jetzt ist bald Weihnachten und ich mache mich bald auf, mit Rucksack und Zelt auf Reisen.
Da habe ich mich die ganze Zeit auf das Reisen gefreut und jetzt fällt es mir ein wenig schwer dem Projekt und Asunción für ein paar Wochen Tschüss sagen zu müssen. :)

Im Park Nu Guazu
Gewitter in Asunción
Im Park Nu Guazu
Im Projekt
Geburtstagsfrüchtetorte á la Elisa!
Wandern nach Caacupé
Auf dem Weg nach Caacupé
Endlich angekommen in Caacupé
Caacupé

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